Heimat, großer Töchter und Söhne

Nein, ich kann es nicht mehr hören! Die Debatte über die genderkonforme Änderung der Hymne ist bereits allgegenwärtig!  Soll der Text geändert werden oder nicht? Kaum ein Lied beschäftigt die ÖsterreicherInnen im Moment mehr als ihre eigene Nationalhymne.

Auch in der italienischen Hymne ist nur die Rede von Brüdern (Fratelli d´Italia), aber das interessiert niemand. Die italienischen Schwestern haben noch nicht daran gedacht, sich diesbezüglich zu rühren!

Die Gleichstellung von Männern und Frauen ist in Italien noch sehr weit vom Ziel entfernt. Viele Wörter, für welche die weibliche Variante vorhanden wäre, werden gar nicht verwendet. Man spricht von ministro (Minister), avvocato (Rechtsanwalt), medico (Mediziner), architetto (Architekt), auch wenn ein A für die weibliche Form am Ende zu setzen keine Hexerei wäre.

Diese Gleichgültigkeit in der Sprache widerspiegelt sich auch in der Rolle der Frau in der Gesellschaft.

Wundert sich da jemand, wenn ich in Süditalien mit meinem Bruder zu einem Rechtsanwalt gehe – er ist unter anderem ein alter Schulfreund von mir -, und er spricht und wendet sich nur an meinen Bruder und ignoriert meine Anwesenheit ?

Wundert sich da jemand, wenn meine Kusine von mir buchstäblich schockiert war, als ich ihr erzählte, dass mein Mann im Haushalt mithilft?

Wundert sich da jemand, wenn es in Süditalien noch Frauen gibt, die es normal finden, nicht zu arbeiten und von ihrem Mann finanziell vollkommen abhängig zu sein?

In Österreich sieht die Rolle der Frau zum Glück schon viel besser aus, aber hierzulande passieren auch noch diskriminierende Vorfälle. Eine liebe Freundin von mir ist Ärztin. Mit 35 Jahren ist sie ohne Kinder, hat einen Kinderwunsch und ihr Arbeitsvertrag wird daher nur um 1 Jahr verlängert, weil eine Frau in Karenz unbrauchbar ist.

Ja, so gesehen ist es wirklich notwendig, von Töchtern und Söhnen in der Hymne zu sprechen! Frauen leisten eine unglaubliche Arbeit sowohl im Haushalt als auch im Beruf und gehören dafür anerkannt und geschätzt!

Die Süditalienerinnen sollten auch daran denken, dass sie die Schwester Italiens sind! Sie sind nicht nur da, um sich um die Männer zu kümmern, Kinder inf die Welt zu setzen und das Haus zu putzen, sondern auch um sich als Frauen mit all ihren Rechten zu behaupten!

uomo e donna

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Speisekarten

Kennen Sie diese Situationen, in denen Sie in der letzten Sekunde nicht mehr wissen, ob Sie gerade das Richtige tun? Mir ist es vor ein paar Tagen passiert. Ich bin in ein Gasthaus hineingegangen, wo ich vor Monaten mit Freunden war. Ich habe gleich den typischen Gestank einer schmutzigen Küche gerochen und mir ist fast der Hunger vergangen. Ich bin geblieben, aber am besten hätte ich mir ein anderes Lokal ausgesucht!

10453381_10202357542201702_5752520401731286189_n[1]Würden Sie auch am liebsten das Lokal gleich verlassen, wenn Sie eine solche Speisekarte wie diejenige hier zu lesen bekommen?

 

 

Tortello bitter, Makkaroni drücken Sie die Bauern, Lilien mit Garnelen! Bei so vielen guten Sachen gibt es nur die Qual der Wahl, oder? Die englische Übersetzung ist auch nicht besser mit ihrer Maccaroni press to the farmer & co.

Vertrauen Sie eigentlich der Küche eines Lokals, das nicht einmal fähig ist, seinen KundInnen eine gepflegte Speisekarte anzubieten? Wenn das Restaurant schon an der Speisekarte scheitert, wie sieht es dann mit Sauberkeit, Zutatenauswahl und -verarbeitung aus?

Die Speisekarte ist die Visitenkarte eines Restaurants und ich bin vollkommen überzeugt, eine gepflegte Speisekarte ohne grobe Übersetzungsfehler ist ein Zeichen, dass der Kunde nicht als reine Geldquelle, sondern als geschätzter und wertvoller Konsument  gesehen wird!

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Krank in Süditalien

Ein Mann, 68 Jahre alt. Sein Bauchfellkarzinom hat ihm fast schon den ganzen Leib aufgefressen. Es bleiben von ihm nunmehr Knochen. Er hat in den letzten Stunden ununterbrochen Krebsflüssigkeit erbrochen und wurde schnell von seinem Sohn ins Krankenhaus gebracht.

Er ist sehr schwach, unterernährt, von Schmerzen geplagt. Im Spital wird er in einem Zimmer gelagert, wo sich die Patienten befinden, die am dringendsten medizinische Hilfe brauchen. In seinem Zimmer mit anderen leidenden Menschen herrschen Schmerz, Leid, Ruhe. Wenig passiert. Draußen ist Chaos. Fast hunderte Menschen warten in der Ambulanz auf eine Behandlung und manche werden auch gewalttätig.

Das Warten scheint kein Ende zu nehmen. Der Mann hat Schmerzen, seine Übelkeit endet auch nicht. Er muss in ein Plastiksäckchen brechen, das ihm seine Frau auf dem Weg ins Spital gegeben hat. Nicht einmal ein Polster hat er bekommen. Da liegt er auf einer Trage. Irgendwie. Irgendwann wird er auch untersucht. Seine Frau wartet draußen und weiß nicht, was mit ihm los ist. Das Telefon ist ihre einzige Verbindung.

Nach fast 12 Stunden Warterei wird er endlich untersucht und bekommt ein normales Bett zugewiesen!

Er liegt im Hauptkrankenhaus einer großen Stadt. Außer dem Bett hat er nicht wirklich viel zur Verfügung. Seine Frau hat für ihn alles eingepackt: Pyjama, Toilettenpapier, Wasser, Obst, Handtücher, Seife und auch Essen. Das Essen ist im Krankenhaus nicht einmal für die Augen eine Freude.

Die Hygiene lässt auch viel zu wünschen übrig. Der Infusionshalter ist schmutzig. Die Gästetoilette hat weder Seife noch Toilettenpapier, der Heizkörper ist verrostet und die Tür fast kaputt.

Die Mittel gegen die Übelkeit wirken. Der Mann hat aber überhaupt keinen Appetit. Die erste Frage seiner Ehefrau an einen Arzt wird mit einem kalten „Was wollen Sie?“ beantwortet. Die Station, in der er liegt, kann für ihn nichts mehr tun. Er wird entlassen. Der zuständige Onkologe soll entscheiden, was zu tun ist.

Der Onkologe meint, es gibt für ihn nichts mehr zu tun. Im Bauch dieses Mannes sammelt sich Wasser. Sein schwacher Körper muss einen riesigen Bauch spazieren tragen. Dieser Bauch drückt seine Innenorgane und verursacht ihm noch mehr Schmerzen. Der Onkologe trifft aber diesbezüglich keine Entscheidung. In seinem Zustand ist nichts mehr zu tun. Die Verwandten müssen sein Schicksal akzeptieren und zuschauen, wie er sich dem Tod nähert.

Der Mann isst immer weniger, er hat Angst, sich wieder zu übergeben. Seine Schmerzen plagen die wenigen Tage, die ihm  noch bleiben. Morphium, Morphium. Sogar der Weg zur Toilette wirkt auf ihn wie ein Marathonlauf.

Er kann nicht mehr gehen. Zu wenig Nahrung, zu wenig Kraft. Ein Verein freiwilliger Onkologen und Krankenpfleger wird von der Hausärztin eingeschaltet. Sie kommen zu ihm nach Hause und kümmern sich liebevoll um ihn.

Nun ist er nicht mehr allein mit seinen Schmerzen. Es gibt endlich einen Arzt, der sich freiwillig um ihn herzlich kümmert. Er wird alle paar Tage untersucht, das Wasser (8 Liter) wird aus seinem Bauch entfernt und er erhält endlich Nahrung durch Infusionen. Er kann jetzt ruhig schlafen.

Und im Schlaf gewinnt die Krankheit gegen seinen müden Körper.

Nach so viel Leiden gibt sein Herz den Kampf auf und er schläft friedlich ein.

Ciao, papá!

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Was die Italiener von den Österreichern denken…

Der Fernseher. Er ist ein treuer Begleiter jeder italienischen Familie. Der Fernseher läuft den ganzen Tag. Er ist also allgegenwärtig. Kein Wunder dann, wenn ich manchmal gefragt werde, ob es den Fernsehsender Canale 5 (italienischer Privatsender) auch in Österreich gibt und ob die Leute im Fernseher dann Deutsch reden… Kann man da ernst bleiben?

Deutsche Herkunft. Für die Italiener spielt es keine große Rolle, ob man aus Österreich oder Deutschland kommt. Sie beziehen sich nur auf die Deutschen. Wenn man sie darauf aufmerksam macht, antworten sie alle gleich: „Deutsch, eh Österreichisch“. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich in Italien höre, dass meine ältere Tochter wie eine Deutsche aussieht…

Essen. Der durchschnittliche Italiener geht davon aus, dass die Österreicher nur von Kartoffeln und Fleisch leben! Ich muss immer lachen, wenn ich das höre!
Viele Italiener sind fest überzeugt, die italienische Küche ist die beste und keine andere kann mithalten! Bei meinem letzten Besuch in Italien habe ich bei Verwandten festgestellt, sie gehen davon aus, wir leben in Österreich, machen Urlaub in Italien und daher müssen wir unbedingt die tollen guten Sachen essen, die wir sonst zu Hause nie bekommen! Der Mann meiner Kusine hat uns zum Beispiel heiß empfohlen, Salami zu essen, weil wir sonst so etwas Gutes nie bekommen! Er hat wirklich keine Ahnung, wie viele Wurstwaren es in Österreich gibt!

Kaffee. Die Regel lautet: „Frag nie einen Italiener im Ausland, ob er einen heimischen Kaffee trinken möchte“. Für die Italiener gibt es keinen besseren Kaffee als den Espresso und nur in Italien schmeckt er, wie es sich gehört. Was der Rest der Welt außerhalb von Italien Kaffee nennt, ist untrinkbar!

caffe

 

 

 

 

 

 

 

Kein Sommer. Nein, Österreich liegt definitiv nicht auf derselben Höhe wie Island, aber die Italiener glauben, hier in Österreich ist nie Sommer! Sie kriegen immer so große Augen, wenn ich sage, hier erreichen wir manchmal im Sommer auch 40 Grad.

Alle blass. Die Italiener glauben, alle Nordeuropäer haben eine sehr helle Haut und werden nicht so schnell braun. Es mag sein, dass sie hellhäutig sind, aber ich hatte noch nie den Eindruck, von Vampiren umgeben zu sein! 
Die Italiener wissen nicht, dass viel mehr Leute hier die Sonnenstudios besuchen und, sobald die Sonne scheint, sind die Menschen meistens in der frischen Luft und genießen die Sonnenstrahlen. Ich war selbst in der ersten Zeit hier in Österreich überrascht, wie viele Leute in der Sonne liegen, wenn das Wetter einmal schön ist. In Italien spielt die Sonne keine so wichtige Rolle und wird eher vermieden, weil es sonst zu heiß wird.

 

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Einfach kulturelle Unterschiede!

GÄHNEN: In Österreich ist Gähnen nur ein Zeichen, dass man müde ist und kein Mensch denkt sich noch was dabei. In Italien ist es aber ganz anders und man muss damit wirklich vorsichtig sein! Das Gähnen erinnert mich an meine Kunstgeschichtelehrerin im Gymnasium in Italien. Sobald jemand in ihrer Stunde gegähnt hat, war sie tiefst beleidigt. Gähnen ist in Italien auch Synonym für Langweile! Wenn man also gähnt, ist es immer besser zu betonen, dass man müde ist…

Clipboard02KÖRPERNÄHE und KÖRPERBERÜHRUNG: In Österreich ist eher Distanz angesagt, wenn man sich unterhält. In Italien, wenn man unter Freunden ist, berührt man sich gerne beim Gespräch. Es passiert oft, wenn man etwas betonen oder die Aufmerksamkeit vom Hörer komplett für sich haben will. Also nicht erschrecken, wenn die Hand vom Sprechen mitten im Gespräch auf unseren Arm landet!

 

SAUNA: In Österreich ist Sauna für Männer und Frauen die gleiche und ab einem bestimmten Alter sind auch Kinder im Saunabereich zugelassen. Dies ist in Italien unvorstellbar und ich habe immer noch mit den österreichischen Saunen ein Problem… In Italien gibt es getrennte Saunen für Frauen und Männer. Warum? Ich weiß es nicht genau, aber Casanova war auch ein Italiener und bei gemeinsamen Saunen könnte die Zahl der Scheidungen in Italien schnell steigen!

Clipboard03PÜNKTLICHKEIT: Das ist schon sehr wichtig in Österreich. Es ist ein Zeichen von Respekt, pünktlich zu erscheinen! In Italien scheint es anders zu sein: Pünktlichkeit ist eher eine Ausnahme und eine Verspätung von 15 Minuten ist nicht einmal der Rede wert! Das gilt auch für Züge! Die Zugverspätungen werden in Italien erst ab mindestens 20 Minuten wahrgenommen!

 

GESTIKULIEREN: Ja, die ItalienerInnen gestikulieren einfach gerne! Gestern habe ich Clipboard4mich im Kindergarten meiner Töchter mit einer Mitarbeiterin unterhalten. Das Thema war lustig und ich habe öfter als sonst gestikuliert. Es war interessant zu beobachten, dass die Dame ständig von meinen Händen abgelenkt wurde. Sie hat ständig dorthin geschaut, wo ich unabsichtlich hingedeutet habe…

UNTERBRECHUNGEN BEIM SPRECHEN: Im Deutschen ist der letzte Teil vom Verb eher am Ende und man soll einfach warten, dass der Sprecher fertig ist, damit man endlich weiß, was der andere will. Auf Italienisch funktioniert es anders und vielleicht aus diesem Grund wird viel öfter das Gespräch unterbrochen. Es kann ja auch in Italien als unhöflich empfunden werden, aber andererseits ist es auch ein Zeichen, dass wir emotionell voll dabei sind!

 

 

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Italienisch Gestikulieren am Steuer!

Die ItalienerInnen sind wohl bekannt für ihr Temperament, das auch beim Autofahren nicht erspart bleibt. Vielleicht ist Ihnen auch schon mal passiert, in Italien dies zu beobachten. Ich gehöre dazu und habe in Österreich schon ein paar nette Erfahrungen gesammelt und bin zu einem Schluss gekommen.

Ja, es scheint, dass ich mich in Österreich am Steuer nicht lange ärgern kann! Wissen Sie warum?

Minolta DSCDas italienische Gestikulieren beim Autofahren wird anscheinend anders interpretiert und mein Ärger verwandelt sich schnell in ein Lächeln! Schön, oder?

Vor ein paar Monaten bin ich mit meinem kleinen Auto auf einer Straße gefahren, auf der eine Spur gerade umgebaut wurde und nicht passierbar war. Meine Spur war frei und ich habe mich an die geminderte Geschwindigkeitsbeschränkung gehalten, bis ich vor mir ein LKW-Monster gesehen habe, das ganz schnell in meine Richtung gefahren ist. Meinem Leben zuliebe bin ich gleich stehen geblieben, um Platz zu machen und als der LKW an mir vorbeigefahren ist, habe ich mit dem Fahrer richtig geschimpft und mit der Hand gestikuliert. Der Fahrer hat anhand meine Handbewegung meine Stimmung komplett missverstanden und sich bei mir bedankt. Toll, habe ich mir gedacht! Ich schimpfe ihm und er sagt Danke! Wenn er nur wüsste, was ich ihm gesagt habe…

Einmal auf dem Weg vom Kindergarten nach Hause hat mir an einer Kreuzung eine alte Dame den Weg geschnitten. Wenn ich schneller gefahren wäre, hätte es einen Unfall gegeben! Ich habe schon wieder gestikuliert und im Auto „Signora!!!“ geschrien. Die Dame hat mich angeschaut, sie hat mir ganz lieb und unschuldig zugelächelt und gleich zugewinkt… Was hätte ich da machen sollen? Ich habe auch zurückgewinkt und mir gedacht, wenn die Dame schon so alt und naiv ist, dann kann ich nur ihr Lächeln erwidern…

Eigentlich sollten wir alle immer lächeln! Es schädigt die Gesundheit sicher nicht und man fühlt sich gleich wieder gut darauf!

 

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Picobello: Was bedeutet das eigentlich auf Italienisch?

Wussten Sie, dass dieses Wort auf Italienisch keine Bedeutung hat?

Gestern im Kindergarten meiner Töchter habe ich mich mit einer Mitarbeiterin unterhalten und sie hat mir gesagt, sie verwendet gerne „picobello“, weil sie Italienisch liebt! Ich musste sie leider enttäuschen!

Picobello ist ein umgangssprachliches Wort, das auf Deutsch sehr gerne verwendet wird. Damit meint man, dass etwas ganz schön sauber und in Ordnung ist. Würden Sie aber in Italien das Wort „picobello“ verwenden, würde Sie kein Mensch verstehen…

„Alles paletti“ klingt auch Italienisch, aber auch dieser Ausdruck hat für die ItalienerInnen keine Bedeutung!

Für beide Ausdrücke gibt es Vermutungen, wie sie entstanden sind, aber eines ist sicher: „alles picobello“ und „alles paletti“ sind keine italienische, sondern echt deutsche Ausdrücke!

Anders ist für Wörter wie Ambiente oder Gusto. In diesem Fall könnte man behaupten, man verwendet italienische Wörter, aber sie werden auf Deutsch mit einer anderen Bedeutung als auf Italienisch verwendet! Es handelt sich in diesem Fall um sogenannte „falsche Freunde“!

Dazu gehört auch das Wort „prima“. In Österreich wird es kaum verwendet, aber die Deutschen lieben es! Vor ganz vielen Jahren war eine italienische Freundin von mir in Deutschland und kündigte der Gastfamilie an, um wie viel Uhr sie abgereist wäre. Auf die Antwort „prima“ antwortete sie irritiert. Prima bedeutet auf Italienisch „vorher“ und sie konnte sich nicht erklären, aus welchem Grund die Gastfamilie wollte, dass sie früher abreist…

Es ist nicht immer einfach mit den Sprachen, oder?

 

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Leopold Figl und… Italien!

Bei einer Dokumentation von Hugo Portisch über die Geschichte Österreichs bin ich auf die Weihnachtsansprache von Leopold Fiegl am 24. Dezember 1945 im Rundfunk gestoßen:

„Ich kann Euch zu Weihnachten nichts geben, ich kann Euch für den Christbaum, wenn ihr überhaupt einen habt, keine Kerzen geben, kein Stück Brot, keine Kohle, kein Glas zum Einschneiden. Wir haben nichts. Ich kann Euch nur bitten, glaubt an dieses Österreich!“

Englert_Franz_Firma_06_1926Ist sie nicht wunderschön? Die ÖsterreicherInnen können wirklich stolz auf sich sein! Nach dem Krieg haben sie nach vorne geschaut und fleißig gearbeitet! Es wird heute oft und gerne gejammert, aber nach 68 Jahren hat dieses Land einen beneidenswerten Wohlstand erreicht! In jedem Bereich, sei es Wirtschaft, Wissenschaft, Sport, Mode, Technologie, gibt es ÖsterreicherInnen, die sich auszeichnen oder ausgezeichnet haben! Geiger, RedBull, Magna, Bösendorfer, Kapsch, Elin sind bestimmt nur einige Namen, die Österreich in der ganzen Welt bekannt machen!

Auch Italien könnte eigentlich stolz auf ihre weltbekannten Marken sein: Benetton, Armani, Ferrari, Lamborghini, Lancia, Ferrero, Barilla, Chicco und viele andere. Das Land steckt aber im Moment tief in einer politischen und wirtschaftlichen Krise. Ich kann Italien nur wünschen, dass sich jede/-r die Ärmel aufkrempelt und daran arbeitet, um wieder an das eigene Land zu glauben!

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Eine Italienerin in Österreich! Das war der Anfang…

Einer Sprache mächtig zu sein heißt nicht unbedingt, die andere Kultur perfekt zu kennen! Gerade die ersten Monate in einem fremden Land können einem Menschen wirklich sehr viel beibringen! Das ist meine Erfahrung:

Hände schütteln. In Italien werden Hände nur in formellen Situationen geschüttelt. Freunde oder Bekannte tun es nicht, um sich zu begrüßen. Das erste Mal, das mir in Österreich die Hand zum Verabschieden gereicht wurde, habe ich dem anderen Menschen einen Sessel in die Hand gedrückt…

Mahlzeit! In Österreich wird die Mittagszeit durch diese Begrüßungsform richtig zelebriert. In Italien zeigen sich Hunger und Mittagspause nicht auf diese Art und Weise. Das erste Mal, dass ich so begrüßt wurde, war ich gerade in einem Bürogebäude für ein Vorstellungsgespräch. Ich hatte gerade etwas gegessen und habe mich sehr geniert, weil ich es als Hinweis empfunden habe, dass mein Mund schmutzig ist! Von mir ist also keine Antwort herausgekommen. Ich habe mich gleich in die Toilette geschlichen und kontrolliert, ob mein Mund sauber ist!

Schuhe ausziehen bitte! In Österreich werden die Straßenschuhe fast immer ausgezogen, wenn man sich lange an einem Ort aufhält. Egal, ob man zu Hause, bei Freunden oder in der Arbeit ist, macht man sich gemütlich. Das erste Mal, dass ich es erlebt habe, war ich mit Freunden auf einer privaten Feier. Ich habe mich richtig gewundert, wie viele paar Schuhe die Hausbesitzer haben, bis mir gesagt wurde, dass ich auch die Schuhe ausziehen soll. Es hat am Anfang Überwindung gekostet. In Italien werden Schuhe auf keinen Fall woanders als zu Hause ausgezogen…

Entschuldigung! In Österreich entschuldigt man sich gleich, auch wenn nur der Verdacht besteht, jemanden unabsichtlich berührt zu haben. In Italien kommt dies sehr selten vor. Es gibt Leute, die die anderen richtig rammen und es nicht einmal merken. Ich werde nie das Gesicht meiner Tante in Italien vergessen, als ich mich bei ihr wegen einer Berührung entschuldigt habe. Wer weiß, was sie sich von mir gedacht hat…

Begrüßen… In Italien ist der Portier in einem Wohngebäude der Freund aller BewohnerInnen! Er ist für jede/-n immer da. Er quatscht alle an und ist bei Bedarf immer bereit zu helfen. Ein Portier ist also einfach ein netter Mensch! Das war meine Einstellung, als ich in Österreich meinen ersten Job in einem Büro in einem Wohngebäude mit Portier angefangen habe. Ich habe den Portier beim Grüßen nett angelächelt und… das Lächeln ist mir gleich vergangen, weil er dies als Anmachversuch empfunden hat!

Fahne_ItalienInzwischen bin ich schon seit 12 Jahren in Österreich und ich fühle mich in beiden Ländern wie zu Hause, aber das Vergleichen endet nie: Manchmal ist es zu Gunsten Italiens und manchmal Österreichs. Das Schöne daran ist, dass ich für mich das Beste aus beiden Kulturen aussuchen kann! Ich bin mir auch sicher, meine zwei Töchter, halb Italienerinnen und halb Österreicherinnen, werden auch nur davon profitieren!

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Die Übersetzung als Verbindung zwischen Kulturen

KindergartenDas neue Kindergartenjahr meiner Tochter hat vor ca. drei Wochen angefangen! Die Wände, die Pinnwände, die Fester, die Türen, die normalerweise schön bunt mit Zeichnungen, Dekorationen und Fotos verziert sind, warten, dass alles wieder seinen Lauf nimmt und die Kinder fleißig ihre Fähigkeiten und Kreativität zeigen.

Die Kindergartenpädagogin hat aber dafür gesorgt, dass die Räume sowohl für Kinder als auch für Eltern trotzdem nicht anonym aussehen und hat ein Schild gefertigt, auf dem sie den Familien in vielen Sprachen „herzlich willkommen“ heißt.

Die Sprachen, die sie ausgesucht hat, sind die Muttersprachen der Kinder, die in ihrer Gruppe sind. Es handelt sich um eine kleine Geste, die aber schon beim Lesen ein Wohlgefühl auslöst!

Die Multikulturalität, die in der Gruppe herrscht, wird als Vorteil für die ganze Gemeinschaft hervorgehoben und jeder Erwachsene, der die kurze Botschaft liest, fühlt sich selbst und seine kulturelle Identität gleich angenommen! Die Integration und vor allem die Interaktion unter den Menschen funktioniert auf einmal viel besser!

Die Vermittlung solcher positiven Gefühle ist nur der Übersetzung zu verdanken!

Egal welche Botschaften man übermitteln möchte, egal in welchem Zusammenhang die Kommunikation stattfindet, spielt die Sprache eine wichtige Rolle! Die Verwendung der Muttersprache des Hörers oder des Lesers stellt bestimmt eine Voraussetzung für ein besseres Verständnis und ein offenes Zusammenleben dar.

 

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