Weihnachten mit Zeitumstellung!

Ja, Corona hat es auch veranlasst, dass ich nach 10 Jahren Weihnachten wieder in Österreich verbringe. Ich lebe hier seit einer Weile und dachte, mich auszukennen, was die kulturellen Unterschiede betrifft. Das Christkind hat mir aber noch etwas Neues lernen lassen. Was? Die Zeitumstellung zwischen Weihnachten bei mir in Apulien und hier in Niederösterreich.

Am Heiligabend haben wir nach österreichischem Brauch beim Einbruch der Dunkelheit die Geschenke ausgepackt und danach die Verwandten angerufen, um uns zu bedanken und frohe Weihnachten zu wünschen. Darunter war auch meine Mutter.

Sie hat um ca. 17 Uhr noch für das Abendessen am Heiligabend gekocht und hat glatt unsere Wünsche überhört. Am Anfang habe ich mir nichts dabei gedacht. Sie hatte anscheinend noch keine Zeit dafür, schließlich hatte das Fest bei ihr nicht einmal angefangen. Es geht erst gegen 19-20 Uhr los, wenn alle am Tisch sitzen, zusammen essen und bis Mitternacht auf Santa Klaus warten. Erst dann geht es los mit Buon Natale, Geschenke, Panettone und Karten Spielen. Perplex bin ich geworden, als sich meine Mutter verabschiedet und uns angekündigt hat, dass wir uns am 25. hören, um uns frohe Weihnachten zu wünschen. War es nicht der Zweck von unserem Anruf?

So ist es aber: In Süditalien geht es erst los mit dem echten Feiern, wenn die ÖsterreicherInnen damit fertig sind. Also selbe Zeitzone, andere Rhythmen! 😊

Noch etwas habe ich gelernt. Am Silversterabend werden in Italien rote Unterwäsche getragen, weil dies angeblich Glück bringt. In Österreich kennt man diesen Brauch nicht. Das habe ich übrigens beim „Taboo“ Spielen erfahren, als ich das Wort „rot“ hören wollte!

Übrigens: Das gute Essen habe ich auch ein bisschen vermisst! 🙂

Antipasti
Insalata di polpo alla Luciana
Antipasti
Pasta con crema di pistacchi e gamberi
Ostriche

Kultur, Landeskunde und Interkulturalität

Der Begriff „Interkulturalität“ ist allgegenwärtig in der Fremdsprachendidaktik. Damit beabsichtigt man – ganz grob beschrieben – das Kennenlernen der Kultur hinter einer Fremdsprache unter Berücksichtigung der eigenen.

Im Rahmen eines Webinars über dieses Thema hat Paolo Balboni[1], Professor an der Uni Ca´ Foscari (Venedig) und einer der größten Namen im Bereich der Fremdsprachendidaktik in Italien, zwei wichtige Aspekte der Interkulturalität durchleuchtet. Es handelt sich dabei um die Unterscheidung zwischen Kultur und Landeskunde.

Laut Balboni beschäftigt sich die Kultur im Fremdspracheunterricht mit der Übermittlung der allgemeinen Kenntnisse über ein fremdes Land wie zum Beispiel, was die Menschen zum Frühstück essen. Dies ist essentiell nicht nur, damit wir verstehen, wie die anderen leben und die Welt sehen, sondern auch damit wir lernen, in der Fremdsprache richtig zu kommunizieren. Dadurch erlangen wir also wichtige kommunikative Kompetenzen, das sogenannte savoir-faire.

Die Entdeckung der anderen Kultur verbirgt in dieser Hinsicht für SchülerInnen eine Faszination, die jedoch schnell an Kraft verlieren kann, wenn sie nicht von der Landeskunde begleitet wird. Was meint Balboni genau mit diesem Begriff?

Darunter versteht er das Kennenlernen der richtigen Identität eines Volkes und seine Werte. Das sollte das wahre Ziel der Fremdsprachelehre sein, denn nur diese Kenntnisse über ein fremdes Land tragen dazu bei, eine Fremdsprache langfristig faszinierend zu machen. Die Lehrkraft hat deswegen die wichtige Aufgabe, die Werte eines Landes für die Klasse greifbar zu machen.

Balboni betont, dass der Vergleich mit einem anderen Land die Lernenden verändert: Wir entdecken dabei Neues und bereichern uns. In einer Zeit, in welcher der Populismus immer auf Lauer ist und die Angst verbreitet, von anderen Kulturen kontaminiert zu werden, gewinnt dieser Prozess an Bedeutung. Kulturelle Eigenschaften von einem anderen Land kennenzulernen bedeutet nicht, die eigene Welt zu verlassen, um der neuen beizutreten. Es bedeutet nur, neue Perspektiven zu entdecken.

Die übermittelnden Werte in Verbindung mit der Landeskunde sind aber nicht vorgegeben, behauptet Balboni. Es ist nicht die Gesellschaft, die entscheidet, wer wir sind, was uns bereichert oder welche Prinzipien wir vertreten. Die Werte sind in uns und nur wir sind in der Lage, diese auszuwählen.

Im Rahmen des Webinars hat Paolo Balboni vorgeschlagen, eine eigene Liste der Gründe zu erstellen, warum ein Land fasziniert und daher es sich lohnt, seine Sprache zu lernen. Da meine Unterrichtsfächer Italienisch und Französisch sind, habe ich hier zwei Listen für mich gemacht:

Italien

  • Die Renaissance und die Wichtigkeit der Kunst
  • Die Küche / slow food
  • Die Musik im Leben der ItalienerInnen
  • Seine junge und bewegte Geschichte
  • Die Schönheitskultur
  • Die Diversität im eigenen Land
  • Die Gastfreundlichkeit

Frankreich

  • Wichtige Werte wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit
  • Die Trennung zwischen Staat und Kirche
  • Das Land der Aufklärung / Revolution
  • Starker nationaler Identität Stolz und Identität
  • Wichtigkeit der Kultur
  • Die Küche

Diese Aspekte machen für mich Italien und Frankreich zwei faszinierende Länder. Italienisch ist meine Muttersprache und hat daher schon immer einen besonderen Platz in meinem Herzen, aber zu meiner Zeit als Schülerin habe ich mit vollster Interesse und Begeisterung Französisch gelernt, weil mich eben die oben genannten Eigenschaften für mich motivierend waren. Jetzt als Lehrerin möchte ich sie meinen SchülerInnen weitergeben!


[1] https://www.edilingua.it/it-it/Documento.aspx?ElementID=f6f9f810-acba-4610-b23d-255bcdac4f46

Schilder verstehen!

2015-02-22 18.43.31[1]

Im Wr. Neustädter Spital ist mir beim Warten dieses Schild aufgefallen.

Ich habe zuerst das Schild mit meinem italienischen Verstand gelesen. In Italien kann es leider vorkommen, dass Leute durch Geldbestechung sehr schnell einen Termin für einen Facharzt oder eine Fachuntersuchung bekommen. Geld ermöglicht das, was das normale Medizinsystem nicht schafft!

Ich habe mir gleich gedacht: „Nein, die Korruption hat auch hier Fuß gefasst und die MitarbeiterInnen im Spital werden jetzt auch durch Geld bestochen! Schade!“.

Kurz nach dieser Anmerkung hat sich aber in mir der österreichische Verstand eingemischt und mit Erleichterung habe ich die Botschaft neu interpretiert und genau verstanden! Es geht um das Trinkgeld!

Die italienische Art ist, Geld im Voraus zu zahlen, wenn man etwas Gescheites bekommen will, und die österreichische Art ist, Trinkgeld zu geben, wenn man mit einer gescheiten Leistung zufrieden ist. Die richtige Auffassung geht von dieser Feststellung aus!

Die korrekte Aufnahme einer Botschaft hat also sehr stark mit den kulturellen Hintergründen im Kopf der LeserInnen zu tun. Daher ist es wichtig, den Text einer Fachperson anzuvertrauen, die in der Lage ist, die Inhalte sinnhaft, zielgerichtet und angepasst an die kulturellen Begebenheiten zu übersetzen.

Neben der Mitteilung auf Deutsch war auch die entsprechende Übersetzung ins Türkisch. Es wäre interessant zu wissen, ob die Übersetzung in dieser Hinsicht gelungen ist!