Weihnachten mit Zeitumstellung!

Ja, Corona hat es auch veranlasst, dass ich nach 10 Jahren Weihnachten wieder in Österreich verbringe. Ich lebe hier seit einer Weile und dachte, mich auszukennen, was die kulturellen Unterschiede betrifft. Das Christkind hat mir aber noch etwas Neues lernen lassen. Was? Die Zeitumstellung zwischen Weihnachten bei mir in Apulien und hier in Niederösterreich.

Am Heiligabend haben wir nach österreichischem Brauch beim Einbruch der Dunkelheit die Geschenke ausgepackt und danach die Verwandten angerufen, um uns zu bedanken und frohe Weihnachten zu wünschen. Darunter war auch meine Mutter.

Sie hat um ca. 17 Uhr noch für das Abendessen am Heiligabend gekocht und hat glatt unsere Wünsche überhört. Am Anfang habe ich mir nichts dabei gedacht. Sie hatte anscheinend noch keine Zeit dafür, schließlich hatte das Fest bei ihr nicht einmal angefangen. Es geht erst gegen 19-20 Uhr los, wenn alle am Tisch sitzen, zusammen essen und bis Mitternacht auf Santa Klaus warten. Erst dann geht es los mit Buon Natale, Geschenke, Panettone und Karten Spielen. Perplex bin ich geworden, als sich meine Mutter verabschiedet und uns angekündigt hat, dass wir uns am 25. hören, um uns frohe Weihnachten zu wünschen. War es nicht der Zweck von unserem Anruf?

So ist es aber: In Süditalien geht es erst los mit dem echten Feiern, wenn die ÖsterreicherInnen damit fertig sind. Also selbe Zeitzone, andere Rhythmen! 😊

Noch etwas habe ich gelernt. Am Silversterabend werden in Italien rote Unterwäsche getragen, weil dies angeblich Glück bringt. In Österreich kennt man diesen Brauch nicht. Das habe ich übrigens beim „Taboo“ Spielen erfahren, als ich das Wort „rot“ hören wollte!

Übrigens: Das gute Essen habe ich auch ein bisschen vermisst! 🙂

Antipasti
Insalata di polpo alla Luciana
Antipasti
Pasta con crema di pistacchi e gamberi
Ostriche

Kultur, Landeskunde und Interkulturalität

Der Begriff „Interkulturalität“ ist allgegenwärtig in der Fremdsprachendidaktik. Damit beabsichtigt man – ganz grob beschrieben – das Kennenlernen der Kultur hinter einer Fremdsprache unter Berücksichtigung der eigenen.

Im Rahmen eines Webinars über dieses Thema hat Paolo Balboni[1], Professor an der Uni Ca´ Foscari (Venedig) und einer der größten Namen im Bereich der Fremdsprachendidaktik in Italien, zwei wichtige Aspekte der Interkulturalität durchleuchtet. Es handelt sich dabei um die Unterscheidung zwischen Kultur und Landeskunde.

Laut Balboni beschäftigt sich die Kultur im Fremdspracheunterricht mit der Übermittlung der allgemeinen Kenntnisse über ein fremdes Land wie zum Beispiel, was die Menschen zum Frühstück essen. Dies ist essentiell nicht nur, damit wir verstehen, wie die anderen leben und die Welt sehen, sondern auch damit wir lernen, in der Fremdsprache richtig zu kommunizieren. Dadurch erlangen wir also wichtige kommunikative Kompetenzen, das sogenannte savoir-faire.

Die Entdeckung der anderen Kultur verbirgt in dieser Hinsicht für SchülerInnen eine Faszination, die jedoch schnell an Kraft verlieren kann, wenn sie nicht von der Landeskunde begleitet wird. Was meint Balboni genau mit diesem Begriff?

Darunter versteht er das Kennenlernen der richtigen Identität eines Volkes und seine Werte. Das sollte das wahre Ziel der Fremdsprachelehre sein, denn nur diese Kenntnisse über ein fremdes Land tragen dazu bei, eine Fremdsprache langfristig faszinierend zu machen. Die Lehrkraft hat deswegen die wichtige Aufgabe, die Werte eines Landes für die Klasse greifbar zu machen.

Balboni betont, dass der Vergleich mit einem anderen Land die Lernenden verändert: Wir entdecken dabei Neues und bereichern uns. In einer Zeit, in welcher der Populismus immer auf Lauer ist und die Angst verbreitet, von anderen Kulturen kontaminiert zu werden, gewinnt dieser Prozess an Bedeutung. Kulturelle Eigenschaften von einem anderen Land kennenzulernen bedeutet nicht, die eigene Welt zu verlassen, um der neuen beizutreten. Es bedeutet nur, neue Perspektiven zu entdecken.

Die übermittelnden Werte in Verbindung mit der Landeskunde sind aber nicht vorgegeben, behauptet Balboni. Es ist nicht die Gesellschaft, die entscheidet, wer wir sind, was uns bereichert oder welche Prinzipien wir vertreten. Die Werte sind in uns und nur wir sind in der Lage, diese auszuwählen.

Im Rahmen des Webinars hat Paolo Balboni vorgeschlagen, eine eigene Liste der Gründe zu erstellen, warum ein Land fasziniert und daher es sich lohnt, seine Sprache zu lernen. Da meine Unterrichtsfächer Italienisch und Französisch sind, habe ich hier zwei Listen für mich gemacht:

Italien

  • Die Renaissance und die Wichtigkeit der Kunst
  • Die Küche / slow food
  • Die Musik im Leben der ItalienerInnen
  • Seine junge und bewegte Geschichte
  • Die Schönheitskultur
  • Die Diversität im eigenen Land
  • Die Gastfreundlichkeit

Frankreich

  • Wichtige Werte wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit
  • Die Trennung zwischen Staat und Kirche
  • Das Land der Aufklärung / Revolution
  • Starker nationaler Identität Stolz und Identität
  • Wichtigkeit der Kultur
  • Die Küche

Diese Aspekte machen für mich Italien und Frankreich zwei faszinierende Länder. Italienisch ist meine Muttersprache und hat daher schon immer einen besonderen Platz in meinem Herzen, aber zu meiner Zeit als Schülerin habe ich mit vollster Interesse und Begeisterung Französisch gelernt, weil mich eben die oben genannten Eigenschaften für mich motivierend waren. Jetzt als Lehrerin möchte ich sie meinen SchülerInnen weitergeben!


[1] https://www.edilingua.it/it-it/Documento.aspx?ElementID=f6f9f810-acba-4610-b23d-255bcdac4f46

Schilder verstehen!

2015-02-22 18.43.31[1]

Im Wr. Neustädter Spital ist mir beim Warten dieses Schild aufgefallen.

Ich habe zuerst das Schild mit meinem italienischen Verstand gelesen. In Italien kann es leider vorkommen, dass Leute durch Geldbestechung sehr schnell einen Termin für einen Facharzt oder eine Fachuntersuchung bekommen. Geld ermöglicht das, was das normale Medizinsystem nicht schafft!

Ich habe mir gleich gedacht: „Nein, die Korruption hat auch hier Fuß gefasst und die MitarbeiterInnen im Spital werden jetzt auch durch Geld bestochen! Schade!“.

Kurz nach dieser Anmerkung hat sich aber in mir der österreichische Verstand eingemischt und mit Erleichterung habe ich die Botschaft neu interpretiert und genau verstanden! Es geht um das Trinkgeld!

Die italienische Art ist, Geld im Voraus zu zahlen, wenn man etwas Gescheites bekommen will, und die österreichische Art ist, Trinkgeld zu geben, wenn man mit einer gescheiten Leistung zufrieden ist. Die richtige Auffassung geht von dieser Feststellung aus!

Die korrekte Aufnahme einer Botschaft hat also sehr stark mit den kulturellen Hintergründen im Kopf der LeserInnen zu tun. Daher ist es wichtig, den Text einer Fachperson anzuvertrauen, die in der Lage ist, die Inhalte sinnhaft, zielgerichtet und angepasst an die kulturellen Begebenheiten zu übersetzen.

Neben der Mitteilung auf Deutsch war auch die entsprechende Übersetzung ins Türkisch. Es wäre interessant zu wissen, ob die Übersetzung in dieser Hinsicht gelungen ist!

Haben Sie schon gewusst…?

Haben Sie schon gewusst, dass in Italien eher unwahrscheinlich ist, eine Bolognese Soße mit Spaghetti serviert zu bekommen?

Der Grund dafür ist die Bedeutung bzw. Wichtigkeit von Nudeln im Allgemeinen für die ItalienerInnen.

Für jedes Rezept gibt es bestimmte Pastasorten, die passen. Für mich ist es zum Beispiel undenkbar, Bolognese Soße mit Spaghetti zu essen! Eine Bolognese wird normalerweise mit Bandnudeln, Penne oder anderen ähnlichen Sorten begleitet, aber auf keinen Fall von Spaghetti! In meiner Küche habe ich einen richtigen Pastakasten mit mindestens 15 Sorten für jede Gelegenheit parat!

Auch die Art und Weise, Nudeln zu kochen, ist äußerst wichtig! Spaghetti, die vom Topf herausschauen und eine halbe Stunde kochen oder in das kalte Wasser gegeben werden, können den Gemütszustand der ItalienerInnen tief erschüttern! Pasta kann nur al dente sein und soll nach bestimmten Regeln gekocht werden, um die Speise genießen zu können.

Also, die Geschichte mit der Pasta ist in etwa wie für die ÖsterreicherInnen das Ski Fahren: Das kann man hierzulande einfach besser! 🙂

Wählen in Italien und in Österreich

Als europäische Staatsbürgerin durfte ich am letzten Sonntag, den 25. Jänner 2015, den Bürgermeister meiner Stadt in Niederösterreich wählen. Meine ältere Tochter (6,5 Jahre alt) hat zum ersten Mal gefragt, was Wählen bedeutet und wie es funktioniert. Wir Eltern haben es ihr erklärt und mein Mann hat ihr gleich vorgeschlagen, dass sie mit ihm in die Wahlkabine geht und sieht, wie es abläuft.

Meine erste Reaktion ist gewesen: „Nein, das ist überhaupt nicht erlaubt!“.

So bin ich darauf gekommen, dass es in Sache Wählen viele Unterschiede zwischen Italien und Österreich gibt!

In Italien gibt es strenge Regeln, die bei der Ausübung des eigenen Wahlrechts beachtet werden müssen. Andernfalls riskiert man, ins Gefängnis zu kommen oder sehr hohe Strafen bis zu 2.000 Euro je nach Straftat zu bekommen.

Vor der Stimmenabgabe werden der Stimmzettel und der Personalausweis vorgelegt und alle Daten genau überprüft.

Der Wähler/Die Wählerin geht allein in die Kabine. In manchen Fällen dürfen Kinder nicht einmal das Wahllokal betreten. Es ist außerdem verboten, Handys oder andere elektronische Apparate mitzunehmen, da der Stimmzettel fotografiert werden könnte.
Bei der Stimmabgabe wird ein Bleistift (!) verwendet. Dieser wird dem Wahler/der Wählerin von der Kommission in die Hand gedrückt und muss nach der Wahl unbedingt abgegeben werden.

Es handelt sich offensichtlich um zwei verschiedene Welten! Aber dort (Süditalien), wo Stimmen kein demokratisches Instrument mehr sind und gegen einen neuen Job, einen gratis Einkauf, eine neue Waschmaschine oder eine Rechnungszahlung verkauft werden, sind diese Maßnahmen das Mindeste!

Jede/-r bekommt, was er/sie halt (an Vertrauen) verdient!

Was die ItalienerInnen von den ÖsterreicherInnen denken…

Der Fernseher. Er ist ein treuer Begleiter jeder italienischen Familie. Der Fernseher läuft den ganzen Tag. Er ist also allgegenwärtig. Kein Wunder dann, wenn ich manchmal gefragt werde, ob es den Fernsehsender Canale 5 (italienischer Privatsender) auch in Österreich gibt und ob die Leute im Fernseher dann Deutsch reden… Kann man da ernst bleiben?

Deutsche Herkunft. Für die Italiener spielt es keine große Rolle, ob man aus Österreich oder Deutschland kommt. Sie beziehen sich nur auf die Deutschen. Wenn man sie darauf aufmerksam macht, antworten sie alle gleich: „Deutsch, eh Österreichisch“. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich in Italien höre, dass meine ältere Tochter wie eine Deutsche aussieht…

Essen. Der durchschnittliche Italiener geht davon aus, dass die Österreicher nur von Kartoffeln und Fleisch leben! Ich muss immer lachen, wenn ich das höre!
Viele Italiener sind fest überzeugt, die italienische Küche ist die beste und keine andere kann mithalten! Bei meinem letzten Besuch in Italien habe ich bei Verwandten festgestellt, sie gehen davon aus, wir leben in Österreich, machen Urlaub in Italien und daher müssen wir unbedingt die tollen guten Sachen essen, die wir sonst zu Hause nie bekommen! Der Mann meiner Kusine hat uns zum Beispiel heiß empfohlen, Salami zu essen, weil wir sonst so etwas Gutes nie bekommen! Er hat wirklich keine Ahnung, wie viele Wurstwaren es in Österreich gibt!

Kaffee. Die Regel lautet: „Frag nie einen Italiener im Ausland, ob er einen heimischen Kaffee trinken möchte“. Für die Italiener gibt es keinen besseren Kaffee als den Espresso und nur in Italien schmeckt er, wie es sich gehört. Was der Rest der Welt außerhalb von Italien Kaffee nennt, ist untrinkbar!

caffe

 

 

 

 

 

 

 

Kein Sommer. Nein, Österreich liegt definitiv nicht auf derselben Höhe wie Island, aber die Italiener glauben, hier in Österreich ist nie Sommer! Sie kriegen immer so große Augen, wenn ich sage, hier erreichen wir manchmal im Sommer auch 40 Grad.

Alle blass. Die Italiener glauben, alle Nordeuropäer haben eine sehr helle Haut und werden nicht so schnell braun. Es mag sein, dass sie hellhäutig sind, aber ich hatte noch nie den Eindruck, von Vampiren umgeben zu sein! 
Die Italiener wissen nicht, dass viel mehr Leute hier die Sonnenstudios besuchen und, sobald die Sonne scheint, sind die Menschen meistens in der frischen Luft und genießen die Sonnenstrahlen. Ich war selbst in der ersten Zeit hier in Österreich überrascht, wie viele Leute in der Sonne liegen, wenn das Wetter einmal schön ist. In Italien spielt die Sonne keine so wichtige Rolle und wird eher vermieden, weil es sonst zu heiß wird.

 

Einfach kulturelle Unterschiede!

GÄHNEN: In Österreich ist Gähnen nur ein Zeichen, dass man müde ist und kein Mensch denkt sich noch was dabei. In Italien ist es aber ganz anders und man muss damit wirklich vorsichtig sein! Das Gähnen erinnert mich an meine Kunstgeschichtelehrerin im Gymnasium in Italien. Sobald jemand in ihrer Stunde gegähnt hat, war sie tiefst beleidigt. Gähnen ist in Italien auch Synonym für Langweile! Wenn man also gähnt, ist es immer besser zu betonen, dass man müde ist…

Clipboard02KÖRPERNÄHE und KÖRPERBERÜHRUNG: In Österreich ist eher Distanz angesagt, wenn man sich unterhält. In Italien, wenn man unter Freunden ist, berührt man sich gerne beim Gespräch. Es passiert oft, wenn man etwas betonen oder die Aufmerksamkeit vom Hörer komplett für sich haben will. Also nicht erschrecken, wenn die Hand vom Sprechen mitten im Gespräch auf unseren Arm landet!

 

SAUNA: In Österreich ist Sauna für Männer und Frauen die gleiche und ab einem bestimmten Alter sind auch Kinder im Saunabereich zugelassen. Dies ist in Italien unvorstellbar und ich habe immer noch mit den österreichischen Saunen ein Problem… In Italien gibt es getrennte Saunen für Frauen und Männer. Warum? Ich weiß es nicht genau, aber Casanova war auch ein Italiener und bei gemeinsamen Saunen könnte die Zahl der Scheidungen in Italien schnell steigen!

Clipboard03PÜNKTLICHKEIT: Das ist schon sehr wichtig in Österreich. Es ist ein Zeichen von Respekt, pünktlich zu erscheinen! In Italien scheint es anders zu sein: Pünktlichkeit ist eher eine Ausnahme und eine Verspätung von 15 Minuten ist nicht einmal der Rede wert! Das gilt auch für Züge! Die Zugverspätungen werden in Italien erst ab mindestens 20 Minuten wahrgenommen!

 

GESTIKULIEREN: Ja, die ItalienerInnen gestikulieren einfach gerne! Gestern habe ich Clipboard4mich im Kindergarten meiner Töchter mit einer Mitarbeiterin unterhalten. Das Thema war lustig und ich habe öfter als sonst gestikuliert. Es war interessant zu beobachten, dass die Dame ständig von meinen Händen abgelenkt wurde. Sie hat ständig dorthin geschaut, wo ich unabsichtlich hingedeutet habe…

UNTERBRECHUNGEN BEIM SPRECHEN: Im Deutschen ist der letzte Teil vom Verb eher am Ende und man soll einfach warten, dass der Sprecher fertig ist, damit man endlich weiß, was der andere will. Auf Italienisch funktioniert es anders und vielleicht aus diesem Grund wird viel öfter das Gespräch unterbrochen. Es kann ja auch in Italien als unhöflich empfunden werden, aber andererseits ist es auch ein Zeichen, dass wir emotionell voll dabei sind!

 

 

Italienisch Gestikulieren am Steuer!

Die ItalienerInnen sind wohl bekannt für ihr Temperament, das auch beim Autofahren nicht erspart bleibt. Vielleicht ist Ihnen auch schon mal passiert, in Italien dies zu beobachten. Ich gehöre dazu und habe in Österreich schon ein paar nette Erfahrungen gesammelt und bin zu einem Schluss gekommen.

Ja, es scheint, dass ich mich in Österreich am Steuer nicht lange ärgern kann! Wissen Sie warum?

Minolta DSCDas italienische Gestikulieren beim Autofahren wird anscheinend anders interpretiert und mein Ärger verwandelt sich schnell in ein Lächeln! Schön, oder?

Vor ein paar Monaten bin ich mit meinem kleinen Auto auf einer Straße gefahren, auf der eine Spur gerade umgebaut wurde und nicht passierbar war. Meine Spur war frei und ich habe mich an die geminderte Geschwindigkeitsbeschränkung gehalten, bis ich vor mir ein LKW-Monster gesehen habe, das ganz schnell in meine Richtung gefahren ist. Meinem Leben zuliebe bin ich gleich stehen geblieben, um Platz zu machen und als der LKW an mir vorbeigefahren ist, habe ich mit dem Fahrer richtig geschimpft und mit der Hand gestikuliert. Der Fahrer hat anhand meine Handbewegung meine Stimmung komplett missverstanden und sich bei mir bedankt. Toll, habe ich mir gedacht! Ich schimpfe ihm und er sagt Danke! Wenn er nur wüsste, was ich ihm gesagt habe…

Einmal auf dem Weg vom Kindergarten nach Hause hat mir an einer Kreuzung eine alte Dame den Weg geschnitten. Wenn ich schneller gefahren wäre, hätte es einen Unfall gegeben! Ich habe schon wieder gestikuliert und im Auto „Signora!!!“ geschrien. Die Dame hat mich angeschaut, sie hat mir ganz lieb und unschuldig zugelächelt und gleich zugewinkt… Was hätte ich da machen sollen? Ich habe auch zurückgewinkt und mir gedacht, wenn die Dame schon so alt und naiv ist, dann kann ich nur ihr Lächeln erwidern…

Eigentlich sollten wir alle immer lächeln! Es schädigt die Gesundheit sicher nicht und man fühlt sich gleich wieder gut darauf!

 

Picobello: Was bedeutet das eigentlich auf Italienisch?

Wussten Sie, dass dieses Wort auf Italienisch keine Bedeutung hat?

Picobello ist ein umgangssprachlicher Begriff, der hier in Österreich sehr gerne verwendet wird. Damit wird gemeint, dass etwas ganz schön sauber und in Ordnung ist. Würden Sie aber in Italien das Wort „picobello“ verwenden, würde Sie kein Mensch verstehen…

„Alles paletti“ klingt auch Italienisch, aber auch dieser Ausdruck hat für die ItalienerInnen keine Bedeutung!

Für beide Ausdrücke gibt es Vermutungen, wie sie entstanden sind, aber eines ist sicher: „alles picobello“ und „alles paletti“ sind keine italienische, sondern echt umgangssprachliche deutsche Ausdrücke!

Anders ist für Wörter wie Ambiente oder Gusto. In diesem Fall könnte man behaupten, man verwendet italienische Wörter, aber sie werden auf Deutsch mit einer anderen Bedeutung als auf Italienisch verwendet! Es handelt sich in diesem Fall um sogenannte „falsche Freunde“!

Dazu gehört auch das Wort „prima“. In Österreich wird es kaum verwendet, aber die Deutschen lieben es! Vor ganz vielen Jahren war eine italienische Freundin von mir in Deutschland und kündigte der Gastfamilie an, um wie viel Uhr sie abgereist wäre. Auf die Antwort „prima“ antwortete sie irritiert. Prima bedeutet auf Italienisch „früher“ und sie konnte sich nicht erklären, aus welchem Grund die Gastfamilie wollte, dass sie früher abreist…

Es ist nicht immer einfach mit den Sprachen oder liegt die Faszination eben darin?

A propos: Picobello könnte man auf Italienisch mit lindo e pinto übersetzen und alles paletti mit tutto a posto. Ambiente wird vor allem in Österreich und – ich schätze – auch in Süddeutschland in Sätzen wie „Das Ambiente ist in dem Restaurant sehr schön“ verwendet. In dem Fall würde man auf Italienisch sagen: „il ristorante è molto bello“ und Gusto ist eher „voglia„: Ich habe ein Gusto auf Pizza -> Ho voglia di mangiare una pizza!

Prima / Perfetto!

Eine Italienerin in Österreich! Das war der Anfang…

Einer Sprache mächtig zu sein heißt nicht unbedingt, die andere Kultur perfekt zu kennen! Gerade die ersten Monate in einem fremden Land können einem Menschen wirklich sehr viel beibringen! Das ist meine Erfahrung:

Hände schütteln. In Italien werden Hände nur in formellen Situationen geschüttelt. Freunde oder Bekannte tun es nicht, um sich zu begrüßen. Das erste Mal, das mir in Österreich die Hand zum Verabschieden gereicht wurde, habe ich dem anderen Menschen einen Sessel in die Hand gedrückt…

Mahlzeit! In Österreich wird die Mittagszeit durch diese Begrüßungsform richtig zelebriert. In Italien zeigen sich Hunger und Mittagspause nicht auf diese Art und Weise. Das erste Mal, dass ich so begrüßt wurde, war ich gerade in einem Bürogebäude für ein Vorstellungsgespräch. Ich hatte gerade etwas gegessen und habe mich sehr geniert, weil ich es als Hinweis empfunden habe, dass mein Mund schmutzig ist! Von mir ist also keine Antwort herausgekommen. Ich habe mich gleich in die Toilette geschlichen und kontrolliert, ob mein Mund sauber ist!

Schuhe ausziehen bitte! In Österreich werden die Straßenschuhe fast immer ausgezogen, wenn man sich lange an einem Ort aufhält. Egal, ob man zu Hause, bei Freunden oder in der Arbeit ist, macht man sich gemütlich. Das erste Mal, dass ich es erlebt habe, war ich mit Freunden auf einer privaten Feier. Ich habe mich richtig gewundert, wie viele paar Schuhe die Hausbesitzer haben, bis mir gesagt wurde, dass ich auch die Schuhe ausziehen soll. Es hat am Anfang Überwindung gekostet. In Italien werden Schuhe auf keinen Fall woanders als zu Hause ausgezogen…

Entschuldigung! In Österreich entschuldigt man sich gleich, auch wenn nur der Verdacht besteht, jemanden unabsichtlich berührt zu haben. In Italien kommt dies sehr selten vor. Es gibt Leute, die die anderen richtig rammen und es nicht einmal merken. Ich werde nie das Gesicht meiner Tante in Italien vergessen, als ich mich bei ihr wegen einer Berührung entschuldigt habe. Wer weiß, was sie sich von mir gedacht hat…

Begrüßen… In Italien ist der Portier in einem Wohngebäude der Freund aller BewohnerInnen! Er ist für jede/-n immer da. Er quatscht alle an und ist bei Bedarf immer bereit zu helfen. Ein Portier ist also einfach ein netter Mensch! Das war meine Einstellung, als ich in Österreich meinen ersten Job in einem Büro in einem Wohngebäude mit Portier angefangen habe. Ich habe den Portier beim Grüßen nett angelächelt und… das Lächeln ist mir gleich vergangen, weil er dies als Anmachversuch empfunden hat!

Fahne_ItalienInzwischen bin ich schon seit 12 Jahren in Österreich und ich fühle mich in beiden Ländern wie zu Hause, aber das Vergleichen endet nie: Manchmal ist es zu Gunsten Italiens und manchmal Österreichs. Das Schöne daran ist, dass ich für mich das Beste aus beiden Kulturen aussuchen kann! Ich bin mir auch sicher, meine zwei Töchter, halb Italienerinnen und halb Österreicherinnen, werden auch nur davon profitieren!